Was haben Waschmaschinen und Sojourner gemeinsam?

Beide benutzen den gleichen Prozessor: Weder Pentium noch PowerPC sondern ein schlichter 80C85 mit zwei (!) MHz Taktfrequenz werkelt im Mars Mobil zusammen mit 64 KByte RAM und 16 KByte ROM. Den zwanzig Jahre alten Prozessortyp findet man auf der Erde außer in Waschmaschinen sonst nur noch in Haustelefonanlagen.

Sojourners langsame CPU überläßt die aufwendige Rechenarbeit dem Bordcomputer in der Landestation, nachdem ein Radiomodem die Daten mit einer effektiven Übertragungsrate von 2400 bps verschickt hat. Mit diesem Rechner kämpfen NASA-Spezialisten seit der Landung der Sonde. Immer wieder fährt er einen Reset durch und unterbricht dadurch den Kontakt zur Erde -  laut NASA fühlt sich der Rechner überlastet.

Von computertechnischer Seite verdient sich die NASA damit keine Lorbeeren, und den letzten Stand der Robotertechnik stellt Sojourner bei weitem nicht dar. Nicht nur die technischen Neuerungen. auch die wissenschaftliche Ausbeute kocht auf kleiner Flamme: Die Bodenbeschaffenheit mit Reifenabdrücken zu untersuchen klingt eher nach Argumentationshilfe als nach neuen wissensehaftlichen Erkenntnissen.

Farbige Bilder von Marsgestein sahen wir außerdem schon vor 23 Jahren mit der Viking Sonde. Bleibt noch das Alpha Protonen-Röntgenspektrometer, das einige chemische Elemente erkennt. Forscher interessiert vor allem der Kohlenstoffgehalt der Steine, da dieser der Grundstoff organischer Moleküle ist. Nach komplizierten Molekülen oder gar nach Wasser kann Pathfinder nicht suchen.

Was bleibt vom Marsprojekt? Eine wirksame PR-Kampagne, die auch das Internet mit in die Erfolgsstory einband. Davon kann man sieh auf der deutschen Mirror-Site der NASA unter mars.globe.de überzeugen. Der Nachfolger des Sojoumers dreht zur Zeit übrigens in der chilenischen Wüste seine Kurven - bestückt mit leistungsfähigen Rechnem (siebe c't 8/97, S.45).

(jr)   aus c't  9/97

Schöne Bilder vom Mars gab es schon vor zwanzig Jahren:
Die Fotos der Viking-Sonden stehen den Aufnahmen des Pathfinders in nichts nach.