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10.000.000,- US-$ Preis ausgesetzt

Im Rahmen der Weltraumtourismuskonferenz in Bremen (s. Page Tourismus) wurde auch ein Preis ausgesetzt, und zwar 10.000.000,- US-$ für die erste Privatorganisation, die es schafft, mit einer selbstgebauten (!) Rakete mit 3 Mann Besatzung zweimal die Höhe von 100 km zu nehmen. Oberhalb von 100 km gilt man gem. internationalen Absprachen übrigens als Astronaut und bekommt die Astronautenschwingen verliehen. Die Organisation, die diesen Preis ausgesetzt hat, nennt sich XPRIZE und will mit dem Preis eine Art "America's Cup" des Weltraumfluges aussetzen.

Die Bedingungen hören sich zunächst so gut wie unmöglich an, sie sind es aber nicht! Ein Flug in 100 km Höhe ist suborbital, d.h. ein Orbit ist nicht zu erreichen. Erinnert Euch an die Einführung "was ist Weltraumfahrt" - Höhe ist nicht das Problem, sondern Geschwindigkeit! Um eine Höhe von 100 km zu erreichen, müßte man auf etwa 2000 m/s beschleunigen (ohne Reibungsverluste - die machen nochmal ein paar 100 m/s aus), das ist also nur 1/4 der Orbitalgeschwindigkeit und damit 1/16tel der Energie ! Eine Raktete, die diese Leistungsmerkmale aufweist, ist nach ersten Berechnungen viel kleiner als man zunächst denkt: Nehmen wir an, die Nutzlast (also die Kapsel mit den 3 Mann, Fallschirm etc.) würde 1 Tonne wiegen. Nehmen wir ferner an, das Masseverhältnis betrage 1:5 (also druckgasgefördert - keine Turbopumpen). Dann müßte die vollbetankte Rakete ca. 4 Tonnen wiegen, wobei 2,5 Tonnen auf Treibstoff entfällt. Die Leermasse der Rakete selbst läge bei etwa 500 kg. Der Schub des Triebwerkes - oder der Triebwerke müßte insgesamt also um die 8 Tonnen betragen. Die Rakete selbst mit Nutzlast wäre insgesamt vielleicht 8 m hoch. Der Kapseldurchmesser könnte 1,5 m betragen, also eng, aber gemütlicher als der Rücksitz eines VW. Die o.g. Zahlen sind Screening-Zahlen. Vermutlich lägen sie schlechter, aber nicht so sehr viel. Die Dimensionen sind sicher korrekt (vergl. auch Dimensionen einer V2).

Also alles in allem keine "unmöglichen" Zahlen. Eine solche Rakete ließe sich auch als Oberstufe planen, wenn man später wirklich einmal in den Orbit wollte - und insofern keine unsinnige Entwicklung. 1 To. Nutzlast kann sich übrigens schon "sehen lassen" ! Hierfür gibt es einen enormen Bedarf im Rahmen neuer Satellitensysteme - und keine Startkapazität.

Übrigens bestehen keine besonderen Anforderungen in Puncto Steuerbarkeit der Kapsel, da man ja, wie gesagt, nicht in einen Orbit gelangt. Eine Drallstabilisierung könnte helfen, den "Hitzeschild" gegen die Atmosphäre ausgerichtet zu halten.

Für den Preis haben sich schon 10 Bewerber bzw. Gruppen gemeldet, darunter Burt Ruten, der als erster Mensch mit einem selbstgebauten Flugzeug Non-Stop die Erde umflogen hat! Eine Rakete hat allerdings noch keiner der Bewerber.

Der gesamte Flug würde übrigens nur ca. 8 - 10 min dauern, davon einige Minuten in relativer Schwerelosigkeit, bevor man wieder auf die Atmosphäre trifft. Hier erfolgt dann die Abbremsung von etwa 6-facher Schallgeschwindigkeit auf Unterschall (vielleicht der unangenehmste Teil des Fluges, aber auch nicht mehr als 3 bis 4 g über nur wenige Sekunden - Achterbahnen schaffen locker 6g !), bevor sich in etwa 5 km Höhe der Fallschirm öffnet, an dem die Kapsel dann zu Boden (oder besser: zu Wasser) schwebt. Bis dahin hat die Kapsel längst die sog. Terminalgeschwindigkeit von ca. 200 km/h erreicht. Die Hitze beim Wiedereintritt hält sich mit einigen 100 °C auch in Grenzen. Wenn man Hybridraketen einsetzt, die ja nicht "in einem flammenden Inferno" explodieren können und wenn die Rakete nicht gleich beim Start umkippt, dann ist das Öffnen des Fallschirmes - oder nicht - vielleicht der einzige echte "Angstmoment". Da keine Orbitalgeschwindigkeit erreicht wird, gibt es keine Gefahr, "oben" zu bleiben. Auch die Beschleunigungswerte beim Start sind erträglich.

Nähere Informationen zum Preis gibt's im Internet unter http://www.xprize.org

Wer hat Lust ?


FAR 10/97

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